Mit diesen Tipps machst du mehr aus deinen Mitschriften in Seminar und Unterricht!

Kennst du das? Du sitzt im Seminar und versuchst mitzudenken und gleichzeitig mitzuschreiben – mit mäßigem Erfolg. Oder du hast Unmengen an Skripten und Artikeln, dampfst sie ein – und hast immer noch viel zu viele Seiten zu lernen.

Um dich sinnvoll auf eine Prüfung vorzubereiten, brauchst du übersichtliche und strukturierte Mitschriften und Vorlesungsskripte. Manche Experten sagen es dauere Jahre, bis jemand gut strukturierte und letztlich brauchbare Notizen oder Mitschriften im Unterricht oder in der Vorlesung anfertigen kann. Und ja – es ist ein Lernprozess.

Aber es ist keine Zauberei. Wenn du wissen willst, wie du ganz einfach aus deinen Mitschriften gehirnfreundliches Lernfutter erstellst, bist du hier richtig. Ich zeige dir, wie du das Maximum aus deinen Mitschriften herausholst. Und zwar schon während des Unterrichts oder Seminars. Versteh die folgenden Kriterien und Tipps also als Angebot, das dir Appetit machen soll, das eine oder andere auszuprobieren und deinen ganz persönlichen Mitschreib-Stil weiterzuentwickeln.

Tipp #1: Schreib nicht jeden Schmarren mit.

Mitschreiben ist besser als Zuhören, aber bitte nicht wortwörtlich!

Wenn du in einer Vortragssituation mitschreibst, anstatt nur zuzuhören, bist du schon mitten drin im Lernen. Du solltest aber auf keinen Fall jedes Wort eins zu eins mitzuschreiben. Das ist auch Käse, denn die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit liegt bei etwa 0,2 – 0,3 Wörtern pro Sekunde während selbst ein langsamer Sprecher im Schnitt 2 Wörter pro Sekunde sagt. Das Rennen verlierst du auf jeden Fall. Deshalb brauchst du eine andere Strategie.

Tipp #2: Fasse Inhalte zusammen und spitze sie gedanklich zu

Eine lineare Struktur und fast wortwörtliches Mitschreiben in ganzen Sätzen hat eine geringe Verarbeitungstiefe. Lerneffekt? Null. 🙁
Dasselbe gilt für Exzerpte, die du aus Artikeln oder Fachbüchern, oder wiederum von deinen Seminarmitschriften anfertigst.
Schreibe also keine ganzen Sätze mit, sondern beschränke dich auf Schlüsselbegriffe. Es ist wirklich nicht alles gleich wichtig. In dem Moment, in dem du Gehörtes oder Gelesenes umformulierst und in etwas Kürzeres “übersetzt“, lernst du bereits.

Tipp #3: Schreibe mit der Hand

Falls du schnell tippen kannst, fragst du dich vielleicht, ob nicht das Mitschreiben am Laptop eine gute, weil schnelle Alternative ist. Ein eindeutiges Jein. Es ist nur dann sinnvoll, wenn du wirklich wirklich schnell – am besten mit 10-Finger-System – schreibst und außerdem die linearen Notizen später nochmal gehirngerecht überarbeitest.  Sonst hast du einfach nur viel Text produziert. Handschriftliche Notizen haben jedenfalls den Vorteil, dass dir das Geschriebene besser in Erinnerung bleibt, weil dich das geringere Schreibtempo zur Konkretisierung, Verdichtung und Zuspitzung deiner Gedanken zwingt.

Notizenapps (keine Werbung, für die ich etwas bekomme…)

Ein guter Mittelweg zwischen Tippen und Schreiben sind Notizenapps.

Ich benutze selbst Goodnotes 5, Notability und Noteshelf auf meinem ipad und kombiniere sehr gerne Getipptes mit handschriftlichen Notizen.  (aber es gibt sicher noch jede Menge andere Notizenapps… probier ein paar aus und entscheide dich dann für eine.) Besonders charmant ist hier, dass ich auch pdfs bearbeiten, Fotos hinzufügen und selbst scribbeln kann.  Mittlerweile habe ich mir ein grafisches Vokabular angeeignet, mit dem ich ganz leicht Mitschriften “pimpen” kann.

Tipp #4: Mach deine Mitschriften und Protokolle auch optisch gehirnfreundlicher

Benutze Aufzählungszeichen, Hervorhebungen und andere Strukturierungshilfen

Dein Gehirn liebt Struktur und dein Auge braucht Orientierung.

  • Gliedere deinen Text deshalb mit Spiegelstrichen und Nummerierungen.
  • Trennlinien helfen dir Unterthemen auch optisch voneinander zu trennen.
  • Hebe das Wesentliche (!)  mit einer besonderen Farbe hervor. Zwinge dich zur Reduktion.
  • Entwickle dein persönliches Farbsystem für Hauptpunkte, Ergänzendes, Quellenangaben etc.

Verwende Abkürzungen

Denke dir zu bestimmten themenspezifischen Schlüsselbegriffen und geläufigen Wörtern Abkürzungen aus, die du immer wieder benutzt. Dann brauchst du dir nicht jedes Mal erneut Gedanken machen, wie du einen Fachbegriff abkürzen willst und sparst Zeit.

Füge Zeichnungen, Symbole und Rahmen ein

  • Stelle komplexe Sachverhalt mit einer Skizze dar. Du sparst dir jede Menge Fließtext.
  • Verdeutliche Abhängigkeiten, Gegensätze oder Konsequenzen mit Pfeilen und passenden Symbolen
  • Schreibe wichtige Zusammenfassungen in einen Merkkasten. So siehst du Wichtiges auf einen Blick.

Wenn du meinst, du bist zu unkreativ, um dir Symbole oder Icons auszudenken, schau mal in dein Handy… Bei den Emojis wirst du sicher fündig.

Lass Platz

Weißraum führt zu mehr Übersichtlichkeit. Wenn du Platz lässt, kannst du später Kommentare, zusammenfassende Gedanken und Aha-Erlebnisse problemlos ergänzen.

Freie Flächen bringen dein Hirn zum Denken!

Immer wenn du Zusammenhänge selbst denken und herstellen musst, bist du schon tief in deinen eigenen neuronalen Strukturen.  Deep Approach. Echt nice. Gut zu wissen: Je tiefer du beim Lernen / Denken / Üben / Mitschreiben in dein neuronales Netzwerk vorgedringst, desto besser ist dieses Wissen vernetzt. Das hilft dir auch unter Leistungsdruck an die relevanten Fakten und Zusammenhänge zu kommen.

Tipp #5: Finde deinen eigenen Stil

Vielleicht hast du auch schon gemerkt, dass es schwierig ist mit „fremden“ Skripten zu lernen. Eben weil kein Hirn wie das andere tickt. Anstatt dich also in fremde Skripte einzuarbeiten, hol dir lieber die Originalquelle und schreib dir das für dich Wichtigste so heraus, dass du es zum Lernen gut nutzen kannst. Wenn du einige der Ideen, die ich dir genannt habe, verwendest, freut sich dein Hirn auf jeden Fall. Ich mich natürlich auch. 🙂 Strukturiere das Ganze so, wie es für dich und das Thema passend erscheint. Ob jetzt mit mindmapping oder im sketchnote-Stil bleibt völlig dir überlassen.

Schreib mir gerne, wie dein ganz persönlicher Notizen-Stil aussieht und welche Varianten dir eingefallen sind! Kennst du schon die Cornell-Methode? Sie ist ein super Tool, um Skripte-Chaos zu verhindern. Strukturierte Aufzeichnungen, die sich auf einen Blick einem bestimmten Fachgebiet zuordnen lassen, gelingen damit jedenfalls kinderleicht.

Gut sind Notizen dann, wenn du nichts mehr weglassen kannst.

Probier mal das Cornell Raster aus

Dr. Walter Pauk, Dozent an der Cornell Universität, hat ein System entwickelt, das heute Studierende auf der ganzen Welt benutzen, um sich Notizen zu machen. Das System ist simpel und hilft dir nicht nur während der Vorlesung sondern auch bei der Nachbereitung und zur Vorbereitung auf Prüfungen.

  • Du bringst Struktur und Ordnung in deine Unterrichtsmitschriften,
  • lernst leichter und nachhaltiger,
  • trägst zu deinem eigenen Lernerfolg bei.

Als erstes musst du dein Notizpapier vorbereiten. Es ist ganz einfach. Trenne Kopf- und Fußzeile mit einer waagerechten Linie vom Rest ab. Mache außerdem auf der linken Seite einen Rand.

Die Kopfzeile

In die „Kopfzeile“ schreibst du das Datum, das Themen- oder Fachgebiet.

Die große freie Fläche in der Mitte

In der großen freien Fläche ist Platz für deine ganz normalen Notizen. Egal, ob du noch eher „linear“ mitschreibst, oder schon matrixartig denkst – hier kommen rein.

Der linke Rand

Wenn du diesen Rand richtig nutzt, hast du schon fast ein bisschen gelernt. Denn hier ist Platz für Zwischenüberschriften oder Minizusammenfassungen für das, was rechts davon steht. Geh also nach Vorlesung oder Unterricht nochmal kurz deine Notizen durch und bündle die Inhalte in dieser linken Spalte.

Fußzeile

Hier hinein kannst du weiterführende Gedanken, Quellen, zentrale Fragestellungen oder dein persönliches „Take-home“ dieser Stunde notieren.

Vorlagen für Cornell Notizen gibt es im Internet (aber ehrlich: so schwer ist das ja nicht 😉 und auch als Seitenvorlage in verschiedenen Notizenapps. Ob du lieber im Quer- oder Hochformat mitschreibst ist glaube ich Geschmacksache.

 

Nachbereiten ist wichtig

Notizen machen ist das eine. Aber genauso wichtig ist es, dass du zu Hause deine Notizen nochmals durchdenkst. Falls du im Unterricht keine Zeit dafür hattest, kannst du sie noch nachträglich pimpen und gehirnfreundlicher machen.

Also: ran an die Stifte! Fröhliches Notizen-Pimpen wünscht dir: Nicole

PS: Schick mir doch ein vorher- nachher Foto von deinen Notizen! Ich veröffentliche es gerne!

Kommentare

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  • Franziska

    Super Blog mit tollen Ideen! Probier ich gleich mal aus 😀

    • Nicole

      Hey, klasse. Freut mich! 🙂

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