11 Fehler beim Vokabeln lernen (und wie du deinem Kind helfen kannst)

Du wünschst dir, dass dein Kind einigermaßen gut und leicht mit der neuen Fremdsprache zurecht kommt. Du leidest mit, wenn dein Kind ewig lange lernt, und sich die neuen Vokabeln doch nicht merken kann. Oder die alten immer wieder vergisst.

Es ist frustrierend für alle. Und anstatt etwas Schönes mit deinem Kind zu machen, drillst du Vokabellisten, fragst ab, bist hinterher, erinnerst…

Quäl nicht dich und dein Kind mit vermeidbarem Lernfrust, sondern such erstmal genau nach der Ursache für die Schwierigkeiten mit dem Wörter lernen. Am Ende des Artikels findest du noch Vokabellerntipps zum Testen.

11 Gründe, weshalb sich dein Kind keine Vokabeln merken kann

  1. Du fragst dein Kind ab, obwohl die neuen Wörter noch nicht sitzen

    Der Effekt: Es dauert seeewig – und am Schluss kannst du die Wörter besser als dein Kind.

  2. Dein Kind hat das Handy beim Lernen in der Nähe

    Handy und Lernen? Funktioniert nicht, selbst wenn es aus ist. Das Handy muss – ausgeschaltet – in einem anderen Raum liegen. Sonst geht die Konzentration komplett in den Keller. Vokabellernprogramme wie Phase 6 sind übrigens eher zum selbst abfragen und wiederholen geeignet als zum Erstkontakt… Insofern kannst du das Handy getrost verbannen. :—)

  3. Dein Kind lernt zu viele Vokabeln auf einmal

    Mit mehr als 9 neuen Informationen am Stück ist das Gehirn überfordert. Mit der magischen Zahl 7+/-2 fährt dein Kind am besten. (Du übrigens auch… 😉 Zwischen 5 – 9 Informationseinheiten kann sich das Gehirn merken. Je nachdem, wie schwierig die neuen Wörter sind. Der Arbeitsspeicher reicht nicht für mehr.

    Hilf deinem Kind also „Lerntapas“ zu machen, wenn (wie wohl häufig) deutlich mehr Wörter zu lernen sind.

  4. Dein Kind weiß nicht, wie das Wort ausgesprochen wird.

    Nicht schlimm, denn es gibt gute Online Wörterbücher als App: z.B. Pons. Hier kann dein Kind das Wort anhören und nachsprechen. Aber mittlerweile sind auch die Schulbuchtexte als Hörtext online – irgendwo auf jeder Seite findet sich hundertprozentig ein Link.Verhindere auf jeden Fall, dass dein Kind die Wörter so ausspricht, wie sie geschrieben werden!
    Das hilft nicht bei der Rechtschreibung – sondern macht langfristig mehr Probleme und ist außerdem unökonomisch. Die Rechtschreibung prägt sich am besten mit der Kinostrategie ein. Ich bringe dir diese Methode gerne in nur einer 1:1 online-Session bei!

  5. Dein Kind “schaut sich die Vokabeln nur an”

    Nur vom Anschauen landet keine neue Vokabel im Gedächtnis.  Auch nicht durch das Führen des guten alten Vokabelheftes! Es braucht schon etwas mehr Gedanken, bis eine Vokabel abgespeichert wird:

    – einen Satz suchen, in dem das Wort korrekt benutzt wird
    – eine Eselsbrücke bauen oder ein Bild dazu vorstellen
    – Verben mit einer tatsächlichen Bewegung verknüpfen (wenn möglich), bei Adjektiven geht das teilweise auch
    – Eine ABC – Liste oder ein Word-Web zu einem bestimmten Wortfeld machen – z.B. alle Wörter, die deinem Kind zu einem Oberbegriff einfallen oder alles, was gelb / rot / grün ist… Ideen gibt es genug… einfach mal loslegen!
    Querverbindungen mit Fremdwörtern oder Begriffen aus anderen Sprachen finden, die beim Merken helfen könnten – gerade im Englischen wird man da schnell fündig.

  6. Dein Kind lernt die Wörter der Reihe nach hinten aus dem Schulbuch – wie langweilig!

    Besser: Wörter durcheinander lernen, dann den aktuellen Lehrbuchtext aufschlagen und diese Wörter im Text finden. Den Satz laut lesen. Wie wird das Wort im Satz verwendet?

    Für den Prozess des Einprägens im ersten Durchgang: Das Wort muss mehrfach laut gesagt werden – aber nicht immer auf die gleiche Weise, denn das Gehirn stumpft ab. Also: Mal laut, mal leise, mal flüstern, mal singen, mal theatralisch

  7. Dein Kind wiederholt das Gelernte nicht

    Damit eine Vokabel wirklich “sitzt”, muss sie wiederholt werden. Gleich nach dem Lernen, dann nochmal am Abend, am nächsten Tag. Wichtiger als stur die Vokabellisten zu pauken ist es (zumindest in den lebenden Fremdsprachen)  die neuen Vokabeln auch anzuwenden. 
    Am Abend dann nochmal alle – oder eben mit dir. So ergeben sich schon 3 Wiederholungen an einem Tag!

    Meine Lieblingsmethode ist tatsächlich der gute alte Karteikasten. Es sollten aber wirklich nur die schwierigen Wörter rein, die sich dein Kind nur schwer merken kann – sonst wird es viel zu viel und der Kasten mit den Vokabeln landet in der Ecke.Die Vorgehensweise beim Vokabellernkasten sorgt automatisch dafür, dass dein Kind die Vokabeln, die noch schwer fallen, häufiger wiederholt als die anderen. Es lohnt sich wirklich!

    Für manche Lehrbücher gibt es sogar gedruckte Vokabelkarten – oder du kontrollierst die korrekte Schreibweise. Das muss sein, sonst wird es schwierig!

    Aber natürlich gibt es auch Vokabellern-Apps – ich persönlich finde, dass die Kids oft genug am Handy und Co sind, so dass ich es erstmal analog probieren würde. Aber probiere es einfach aus mit deinem Kind – und überlass deinem Kind die Entscheidung.

     

  8. Dein Kind findet Vokabellernen stinklangweilig

    Frage dein Kind, wie es sich die Vokabeln eigentlich einprägt.  Schlage ein paar alternative Lerntipps aus dieser Liste vor und lass dein Kind dann ausprobieren. Frag nach, was gut funktioniert hat und was nicht. Aber stülpe keine Lernmethode über – nur weil sie für dich funktioniert hat, muss das bei deinem Kind noch lange nicht so sein… 

  9. Dein Kind lernt aus dem selbst geschriebenen Vokabelheft.

    Uiuiui… schwierig! Nur sehr selten werden Vokabelhefte regelmäßig durchkorrigiert – deshalb kann es sein, dass sich Schreibfehler einschleichen und gleich mitgelernt werden. 🙁 Das ist blöd. Deshalb Schreibweise aus dem Lehrbuch lernen!!

  10. Dein Kind nutzt den  Primär- und Rezenzeffekt oder Primacy – Recency Effekt nicht bewusst

    Das Gehirn merkt sich besonders gut, was zu Beginn und am Ende einer Lerneinheit gelernt wurde. Wenn schwierige Wörter am Ende des Vokabellernens nochmals wiederholt werden, bleiben sie also eher in Erinnerung. Umgekehrt, wird das, was du in der Mitte lernst, eher vergessen.

  11. Dein Kind lernt Ähnliches hintereinander.

    Wenn dein Kind bereits Gelerntes schnell wieder vergisst, oder sich das was es danach lernt  wird partout nicht merken kann, ist möglicherweise der Interferenzeffekt verantwortlich. Das passiert vor allem dann, wenn es sich um ähnlichen Lernstoff handelt.
    Wenn dein Kind also Englischvokabeln lernt, sollten danach nicht  Französisch- oder Lateinvokabeln gelernt werden. Stattdessen ist es sinnvoll etwas ganz anderes, z.B. Mathematik, zu erledigen.

  12. Dein Kind weiß, dass du auch kein Sprachtalent hast.

    Der Satz “Ich war auch kein Sprachgenie (oder Mathecrack oder oder)” ist eine tolle Entschuldigung, die u.U. ganz unbewusst ihre Wirkung entfaltet.

    Streiche solche Sätze lieber aus deinen Kommentaren oder beiläufig dahin geworfenen Kommentaren, die sicher gut gemeint sind. Sie nehmen zwar erstmal den Druck raus – aber möglicherweise auch das Gefühl selbst für das Lernen verantwortlich zu sein. 

Kreative Ideen um sich neue Vokabeln nachhaltig einzuprägen

  • Vokabeln mit Bewegung verbinden (jump, comb your hair, withdraw)
  • Minisituationen oder Bilder zu einem Begriff vorstellen. 
  • Das Wort laut, leise, flüsternd, theatralisch… etc. aussprechen
  • Das Wort im Satz lesen und einen neuen Kontext für den Begriff finden.
  • Zu einem Wortfeld so viele Wörter wie möglich finden
  • Eine Wort-Mindmap erstellen
  • Eine ABC-Liste mit Wörtern zu einem bestimmten Wortfeld oder mit Adjektiven füllen
  • Neue Vokabeln im Hörtext der Lektion “erhören“ und aufschreiben (die online-Datei ist immer oben auf der Lehrbuchseite vermerkt!)
  • Vokabeln aufnehmen und dann in Bewegung lernen (jonglieren, beim Spazierengehen, …)
  • Wörter, die sich dein Kind nicht merken kann, auf Klebezettel  schreiben und an verschiedenen Orten (Spiegel, Kühlschrank… ) verteilen und abgehen.

 

Vermisst du Tipps zum Vokabellernen in diesem Post? Dann schreib mir deine Frage  im Kommentar oder direkt an nicole@lernfex.de

Antworten erhältst du per Video auf meinem Youtube Kanal.

Entspanntes Lernen wünscht …

Nicole.

PS: Es gibt übrigens auch „Vokabeln“ in den Naturwissenschaften! Hilf deinem Kind dabei sich präzise auszudrücken, indem Fachbegriffe wie Vokabeln gelernt und verinnerlicht werden.

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