Schlaue Pausen, besser lernen

Gerade, wenn du einen schier endlosen Tag am Schreibtisch vor dir hast, solltest du dein Pausenmanagement in den Blick nehmen. Ein übersättigtes Hirn schaltet irgendwann auf Durchzug, weil die aktivierten Nervenzellen nicht mehr reagieren. Konzentrationsalarm! Anstatt also am Stück ganz viel auf einmal zu lernen, solltest du das Ganze lieber kleinere Lerneinheiten aufteilen und auf regelmäßige Pausen achten.

Durchpowern nützt gar nichts – du musst auch Pausen machen.

Wirklich leistungsfähig und konzentriert bleibst du nur, wenn du auch Lernpausen machst. Gerade wenn du es besonders gut machen möchtest und zu den Motivierten und Zielstrebigen gehörst, ist das wichtig.

Minipausen zum Nachdenken

  • Mache nach jedem gelesenen Textabschnitt eine Minipause und fasse das Gelesene in eigenen Worten zusammen
  • Wenn du eher anwendungsbezogene Aufgaben übst, überlege dir danach, WIE du an die Aufgabe herangegangen bist.

Themenpausen und Methodenwechsel

  • Trenne ähnliche Themen voneinander
    Wenn du Mathe übst, solltest du danach eher etwas Sprachliches lernen und umgekehrt; Fremdsprachen solltest du nicht direkt hintereinander lernen, da es sonst zu Überlappungen kommt und du das Gelernte schwerer abrufen kannst.
  • Wende verschiedene Lernstrategien an; nutze Mappingtechniken, Lesestrategien und Karteikarten

Lernpause nach 60 – 90 Minuten

Du lernst effizienter, wenn du immer wieder etwas längere Pausen einlegst. Es ist gut, wenn du dich in dieser etwas längeren Pause (5-10 Minuten) mit etwas völlig anderem beschäftigst. Achtung: das Handy solltest du auslassen!

  1. Eine  Blitzübung aus der Kinesiologie
    Reibe den gesamten äußeren Rand deiner Ohrmuscheln bis zum Ohrläppchen. Diese “zupfenden” Bewegung ist auch unter dem Namen “Denkmütze” bekannt.
    Probiere es aus. Hilft auch in Klausuren, langweiligen Vorlesungen und Unterricht und bewahrt dich davor, mit dem Kopf auf den Tisch zu knallen.
  2. Sorge für Sauerstoff. Stelle dich ans offene Fenster und atme ein paar Mal tief ein und aus. Lass das Fenster ein paar Minuten lang offen, damit die verbrauchte Luft und der Lernmief raus können.
  3. Trink was! Am besten ungesüßt. Denn deine Bauchspeicheldrüse schüttet bei jeder Zuckerzufuhr Insulin aus und regelt damit deinen Blutzuckerspiegel unter den ursprünglichen Wert. Die Folge ist MEHR Müdigkeit. Ein Teufelskreis. Lass deshalb auch die Finger von Traubenzucker!!

Blitzentspannung für müde Augen

  1. Reibe deine Hände schnell aneinander bis sie warm sind. Lege deine gewölbten Hände über deine Augen und genieße die Wärme, die sie abstrahlen. Wiederhole das Ganze zwei bis drei Mal. Wenn du eine Brille trägst, musst du sie natürlich vorher absetzen. Dieses Palmieren sorgt sofort für eine Entspannung deiner Augen.
  2. Lass deinen Blick mal ganz bewusst in die Ferne schweifen. Das entspannt deine Augen, aber auch deine Nackenmuskulatur. Wenn du zufällig mit Blick nach draußen lernst, findest du vielleicht einen kleinen Fleck “Grün”. Die Farbe Grün entspannt.
  3. Blicke mit geschlossenen Augen nach links, oben, rechts, unten. Verbinde diese vier Punkte zu einem Kreis.
    Mache das Ganze im und gegen den Uhrzeigersinn.

Bewegte Lernpausen

Eine aktive Pause wirkt sich positiv auf deine kognitive Leistungsfähigkeit aus.

Die Übung sollte dich ein wenig herausfordern. Denn bei komplexen Bewegungen werden nicht nur die für die Motorik zuständigen Hirnareale aktiviert und besser durchblutet, sondern auch Neuronen in den emotionalen, kognitiven und psychosozialen Hirnarealen besser miteinander vernetzt. 

 

Eine koordinative Übung wirkt auf dein Gehirn so wie 30 Minuten Ausdauertraining.

Dabei brauchst du keine schweißtreibenden Liegestützen zu machen. Schau einfach mal die folgende Liste durch, du findest sicher eine Alternative für eine aktive Lernpause!

  • auf einem Bein stehen – auf die Zehenspitzen stellen – dann die Augen schließen
  • Jonglieren, Fidget Sticks / Widget Spinner etc.
  • zwei Tennisbälle gerade nach oben werfen und mit überkreuzten Händen fangen
  • einen Gegenstand hochwerfen und einen Ball im Slalom durch den Raum kicken
  • 5 Minuten ein paar “Körbe werfen”
  • zwei Bälle gleichzeitig oder abwechselnd prellen
  • Gegenstand hochwerfen – hinter dem Körper fangen / nach einer halben oder ganzen Drehung fangen
  • Ball (oder Federmäppchen) mit dem Fuß jonglieren
  • Kopfstand, Rad schlagen, rückwärts balancieren
  • klassische Überkreuzbewegungen aus der Kinesiologie
  • Lerne ein paar Tanzfiguren – ok. Ich bin kein Fortnite Fan, aber die Tanzmoves sind cool. Es gibt jede Menge Tutorials, die sich für eine Minipause eignen.
Aktive Lernpausen sind gut für neuroyale Prozesse

Infografik Bewegung und Gehirn

Nimm dir eine längere Auszeit

Nach ungefähr 4 Stunden darfst du dir eine Auszeit von gerne ein bis zwei Stunden gönnen.

Gönne deinem Hirn eine echte Pause. Triff dich mit Freunden, geh Essen, mach Sport.
Dann kannst du wieder frisch in die zweite Hälfte deines Lerntages starten.

  • Wenn du nichts mehr in den Kopf bekommst, geh ein paar Schritte “um den Block”. Das bringt nicht nur dich sondern auch deine Gedanken wieder in Gang.
  • Mach deinen eigenen Lernpodcast! Nimm einfach die wichtigsten Informationen auf und sage sie laut vor. Mit dieser Datei im Ohr kann du dich gut beschäftigen
  • Wenn du mit einem Lernpartner lernst, vertiefe  ein Thema bei einem zeitlich begrenzten Walk-and-Talk.
  • Wenn du dich gestresst fühlst, gehe mal 30 Minuten im Wald spazieren. Untersuchen haben gezeigt, dass sich der Herzschlag im Wald verlangsamt und der Atem tiefer und gleichmäßiger geht. In Japan gibt es ein „Waldbad“ sogar auf Rezept. 
  • Such’ dir ein paar von den koordinativen Übungen aus – die kannst du ganz ohne Schweißausbrüche in deinen Lerntag einbauen.

Lernen im Schlaf

Ausreichend Schlaf ist wichtig. In jeder einzelnen Tiefschlafphase werden die gelernten Inhalte quasi aus dem Hippokampus in dein Langzeitgedächtnis erneut heruntergeladen.  Je mehr Tiefschlafphasen du hast, desto besser. In dieser Lernpause lernst du also nochmal richtig viel.

Lernen im Schlaf

Lernen im Schlaf

Auch wenn du meinst, du dürftest dir keine Pausen gönnen, weil du ja so viel zu lernen hast oder der Abgabetermin immer näher rückt. Du tust dir keinen Gefallen damit, „durchzulernen“.  Deine Konzentration lässt nach, du musst immer mehr Willenskraft aufbringen um dranzubleiben und liest am Ende jeden Satz mehrmals ohne noch etwas aufnehmen zu können.

Teilen deine Lernpensum in 90 Minuten-Blöcke auf und mache dann nach vier Stunden eine große Pause. Lern-Sushi – also Lernen in kleineren Häppchen – ist besser für die Prozesse, die im Gehirn ablaufen müssen. Wenn du Schwierigkeiten hast, an die Pausen zu denken, stell dir einen Wecker oder bau die Lernpausen ganz bewusst in deinen Lernplan mit ein.

Ach ja – und falls hier Eltern von Schulkindern mitlesen: vier Stunden und längere Lernzeiten bezieht sich nur für das Lernen auf das Abitur oder Examen. Für ganz normale Schulaufgaben reicht deutlich weniger.

Also – lasst die Kids raus an die Luft! 🙂

Und mach jetzt selbst mal Pause!

Deine Nicole.

Weiterlesen

Ratey, J. (2009): Superfaktor Bewegung. Freiburg

Kubesch, S. u.a. (2009): A 30-Min Physical Education Program Improves Students‘ Executive Attention. In: Mind, Brain, and Education, H. 3(4), S 235–242

Kubesch, S. (2007): Das bewegte Gehirn. Schorndorf

Weshalb wir Lernpausen brauchen

 

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